Feuerwehrwesen

ABTEILUNG FEUERWEHRWESEN

Das Projekt «Effiziente Beschaffung Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehrmaterial» kam 2018 in die Umsetzungsphase. Im Berichtsjahr lag ein weiterer Fokus auf der Ausbildung der Angehörigen der Feuerwehren: Im Strassenrettungskurs wurden die Gefahren von Elektrofahrzeugen thematisiert. Und der Fachkurs für Elementarschadenintervention berücksichtigt die Tatsache, dass vermehrt Elementarereignisse auftreten.

Projekt «Effiziente Beschaffung Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehrmaterial»

Im Berichtsjahr stand wie schon im Jahr 2017 das Projekt «Effiziente Beschaffung Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehrmaterial» mit den drei Teilprojekten Fahrzeuge, allgemeines Feuerwehrmaterial und Brandschutzbekleidung im Vordergrund. 2017 und 2018 haben Vertreter der Gemeindeammännervereinigung, des Aargauischen Feuerwehrverbandes, der Feuerwehrkommandanten sowie der AGV gemeinsam Lösungsvorschläge für die drei Teilprojekte ausgearbeitet.

Beschaffung von Feuerwehrfahrzeugen

Die Beschaffung von Feuerwehrfahrzeugen, insbesondere von Grossfahrzeugen, ist für die Gemeinden eine aufwendige Aufgabe. Insbesondere die Durchführung eines Submissionsverfahrens ist mit viel administrativem Aufwand verbunden. Die Fahrzeugbeschaffung soll für die Feuerwehren im Kanton Aargau einfacher und effizienter werden. Zukünftig helfen ein IT-systemgeführter Workflow und ein digitales Handbuch den Verantwortlichen dabei. Im Handbuch finden sie alle wichtigen Informationen zur Fahrzeugbeschaffung: rechtliche Grundlagen und Vorgaben, Verfahrensabläufe wie auch Beispiele und Mustertexte. Die AGV bietet aber auch an, die Beschaffung koordiniert mit anderen Gemeinden durchzuführen, kostenlos. Mit gemeinsamen Beschaffungen können Kosten und personelle Ressourcen eingespart werden. Davon profitieren sowohl die Gemeinden wie auch die AGV. Den Gemeinden steht es frei, die Dienstleistungen der AGV zu nutzen. Die Gemeinden müssen aber finanzielle Nachteile in Kauf nehmen, wenn sie subventionsrechtliche Vorgaben nicht einhalten und sich für Sonderlösungen entscheiden.

Die AGV hat im Berichtsjahr bereits 6 Tanklöschfahrzeuge und 11 Strassenrettungsfahrzeuge zur gemeinsamen Beschaffung für Gemeinden ausgeschrieben und erwartet Kosteneinsparungen von insgesamt CHF 1.5 bis 2 Mio. durch die gemeinsame Beschaffung.

Materialbeschaffung und Schutzbekleidung

  1. Das Teilprojekt «allgemeines Feuerwehrmaterial» konnte im Berichtsjahr mit dem Zugang zum Webshop des Logistikzentrums der Gebäudeversicherung Zürich abgeschlossen werden. Seit dem 17. August 2018 können alle Aargauer Feuerwehrorganisationen im Webshop Material zu guten Konditionen einkaufen.
  2. Die Umsetzung des Teilprojektes «Brandschutzbekleidung» wird Einfluss auf die Wahlfreiheit in Bezug auf die Beschaffung von Brandschutzjacken, -hosen, -handschuhen und -schuhwerk haben. Die Brandschutzbekleidung wird damit im Kanton Aargau, wie bereits in anderen Kantonen, vereinheitlicht. Es ist vorgesehen, dass die AGV die Brandschutzbekleidung unter Beachtung des Submissionsrechts auf eigene Kosten beschafft, über einen Partner zentral lagert und den Aargauer Feuerwehren gegen ein Entgelt überlassen wird. Anfang März 2018 wurde bei allen Gemeinde- und Stadträten sowie Geschäftsleitungen der Betriebsfeuerwehren und Betriebslöschgruppen des Kantons Aargau eine Umfrage durchgeführt. Der Rücklauf war mit 183 Antworten bzw. mit 73 Prozent der 252 Befragten hoch und damit repräsentativ. Insgesamt befürworten 75 Prozent der 183 Antwortenden grundsätzlich das Konzept. Bemerkungen wie zum Beispiel Aussagen zu Amortisationszeit oder Höhe des Entgelts fliessen nun in die weitere Bearbeitung ein.
    Die Umsetzung dieses Teilprojekts bedingt eine Gesetzesrevision. Dem Grossen Rat soll die Gesetzesvorlage dann im Jahr 2020 zum Beschluss unterbreitet werden.

Kantonale Notrufzentrale (KNZ)

Die KNZ vereint seit dem 24. April 2017 die Fach- bzw. Blaulichtorganisationen Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr unter einem Dach. Seither sind bis Ende 2018 über 240'000 Notrufe aller Art eingegangen. Die räumliche Nähe der Blaulichtorganisationen führt zu kurzen und schnellen Kommunikationswegen. Früher erfolgte das Aufbieten einer anderen Organisation mit einem Anruf in die entsprechende Notrufzentrale. Heute reicht ein Zuruf zum Kollegen, welcher dann die Einsatzkräfte seiner Organisation zum Einsatzort aufbietet. Damit erfolgt das Aufbieten aus den verschiedenen Organisationen zeitgleich. Die Zusammenlegung der 3 Notrufzentralen 117, 118 und 144 hat sich von der ersten Stunde an bewährt.

Zudem wurde das Alarmierungssystem der Aargauer Feuerwehren per 15. Juni 2018 von analog auf digital umgestellt. Durch die Umstellung stehen nun 60 zusätzliche Anschlüsse zur Verfügung. Damit können neu 300 Telefonnummern gleichzeitig angewählt und alarmiert werden.

Die Einsätze im Überblick 2018 2017
Gebäudebrände 302 298
Waldbrände 20 16
Gras-, Bord- und Abfallbrände 40 40
Fahrzeugbrände 66 62
Elementarereignisse 756 554
Öl-, Chemie- und Umwelteinsätze 304 274
Rettungen bei Verkehrsunfällen 30 40
Personenrettungen aus Wohnungen, Lift usw. 545 468
Tierrettungen 53 45
Wespen- und Hornissennester entfernen 762 495
Verkehrsregelungen, Saalwache etc. 157 123
Andere Hilfeleistungen 1’021 1’009
Alarm ohne Einsatz (vorwiegend automatische Brandmeldungen) 1’093 1’121
Total 5’149 4’545

Ausbildung

Die AGV führte 2018 102 (2017: 103) Einführungs-, Fach- und Weiterbildungskurse sowie 79 (2017: 62) Trainings in der Mobilen Brandsimulationsanlage durch. 4'989 (2017: 4’978) Angehörige der Feuerwehren nahmen daran teil. Des Weiteren finden jährliche Weiterbildungskurse für die Feuerwehrinstruktoren statt.

Ein Weiterbildungskurs im Berichtsjahr widmete sich dem Thema Strassenrettung. Daran nahmen 110 Offiziere der elf Strassenrettungsstützpunkte teil. Der Kurs fand zweimal, am 21. und 22. September 2018, in Bad Zurzach statt. Insgesamt wurde an 85 schrottreif verunfallten Autos in verschiedenen Lagen geübt. Die Kursteilnehmenden mussten unter erschwerten Bedingungen eine patientengerechte Rettung ausführen und dazu die Autos mit Spreizer und hydraulischer Rettungsschere aufschneiden. Die spezifischen Gefahren von Elektrofahrzeugen waren Inhalt einer weiteren Lektion. Sie lautete «Elektrische Antriebe und Werkstoffe im heutigen Zeitalter». Bei Elektrofahrzeugen gibt es verschiedene Gefahrenquellen zu beachten: Ein Kurzschluss oder ein Stromschlag, aber auch toxische Gefahren durch austretende Gase oder kontaminiertes Löschwasser sind möglich. Die Fahrzeugbatterie muss noch Tage nach dem Brand überwacht werden, sie könnte sich selber entzünden.

Schäden reduzieren

Ebenfalls im Kursprogramm der AGV stand der Fachkurs Elementarschadenintervention. Dieser wurde am 1. September 2018 in Uerkheim mit 32 Teilnehmenden durchgeführt. Aufgrund des schweren Unwetters im Juli 2017 könnte man meinen, der Kursort sei aus diesem Grund gewählt worden. Dem ist aber nicht so. Der Kursstandort wie auch sein Inhalt wurden schon Monate vor dem Unwetter bestimmt. Deshalb stand beim Einführungsvortrag auch nicht das spezifische Unwetterszenario in Uerkheim im Fokus, sondern die Teilnehmenden sollten lernen, wie sie Schäden in der Intervention allgemein vermindern oder gar vermeiden können.

Auch wurden die Kursteilnehmenden über die Gefahren für die Einsatzkräfte bei Elementarereignissen ausgebildet. Ziel dieser Lektion war es, dass die Teilnehmenden lernen, Massnahmen zur Gefahreneliminierung oder -reduzierung festzulegen und umzusetzen. Auch wurden sie mittels einer Simulationsanlage über die Gefahr von Elektrizität bei Hochwasser sensibilisiert.

Eine weitere Ausbildungssequenz dieses Kurses war die Zusammenarbeit mit Partnern, wie z.B. der Abteilung Landschaft und Gewässer oder zivilen Führungsorganen. Die Teilnehmenden wurden über die Rolle der Feuerwehr und die Schnittstellen zu den Partnerorganisationen ausgebildet.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses lag bei der Beurteilung der Ereignisentwicklung im Gelände. Hierfür wurde das Auge der Teilnehmenden geschult. Die Offiziere wurden an verschiedenen Orten im Dorf mit möglichen Ereignisszenarien konfrontiert und mussten sodann geeignete Massnahmen vortragen. Abgeschlossen wurde der Fachkurs Elementarschadenintervention mit verschiedenen Szenarien wie Sturmschäden, Hochwasser oder Hangrutsch. Die Teilnehmenden mussten zuerst anhand von Bildstrecken die komplette Schadensituation analysieren, dann die Lage beurteilen und zum Schluss geeignete Massnahmen ergreifen.